…wenn Ideologie die Wirklichkeit ausblendet.

Der Harthäuser Wald liegt zwischen den Tälern der Unterläufe von Jagst und Kocher, beides europäische Vogelschutzgebiete, auf einem Höhenzug von maximal nur 334 Meter über dem Meeresspiegel. Zum Vergleich: die waldfreien Hochlagen des Schwarzwaldes liegen bis zu 1493 Meter hoch. Der größte Teil des Waldes liegt auf der Gemarkung von Hardthausen am Kocher und damit im Landkreis Heilbronn; nur ein kleinerer Teil im Osten gehört zum Hohenlohekreis. Im Harthäuser Wald lebt eine Vielzahl streng geschützter Großvögel wie nur zum Beispiel roter und schwarzer Milan, Wespenbussard, Kuckuck und Eulen. Aus diesem Grund sind große Teile des Waldes auch als FFH-Gebiet ausgewiesen. FFH-Gebiete sind nach zwei gesetzlichen Richtlinien, der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie, vom 21. Mai 1992, 92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (vom 2. April 1979, 79/409/EWG) als besonders schützenswert ausgewiesen. Der Wald ist einer der wenigen verbliebenen regionalen Grünzüge mit bis zu 200 Jahre alten Eichen- und Buchenbäumen.

Nicht bekannt ist der Harthäuser Wald für eine besondere Windhöffigkeit, einem Maß, welches die Flächeneignung für Windenergie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten angibt. Vielmehr ist die Region als Schwachwindgebiet bekannt. Unter anderem aus diesem Grund können wir uns der vielen alten Bäume erfreuen, die vom Wind offensichtlich nicht umgeblasen wurden.

Herr Landesumweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90 / Die Grünen) freut sich aus all den oben genannten Gründen dann auch sehr, dass voraussichtlich demnächst ein großer Windpark im Harthäuser Wald genehmigt werden kann. Ob Herr Untersteller gerne Großvögel schreddert wissen wir nicht und wollen es ihm auch nicht unterstellen. Die Faktenlage ergibt aber tatsächlich wenig Gründe zur Freude. Wie bekannt betreiben die ZEAG Erneuerbare Energien GmbH und die Gemeinden, auf deren Gemarkung der Harthäuser Wald liegt, den Bau einer großen Zahl von Windkraftanlagen. Derzeit bestehen konkrete Planungen für 25 Großwindkraftanlagen mit einem projektierten Volumen von über 200 Millionen Euro. Im laufenden Genehmigungsverfahren wurden über 1500 schriftliche Einwendungen von betroffenen Bürgern eingereicht. In den öffentlichen Anhörungen wurde das Thema Windhöffigkeit, wie schon erläutert dem Maß für die Wirtschaftlichkeit der Windkraftanlagen, konsequent vom Landratsamt Heilbronn als nicht relevant abgewürgt, mit dem Argument: „Ob der Wind hier ausreichend stark ist, hätte mit der Genehmigung nichts zu tun“.

Ein wiederholt gefordertes Windgutachten gibt es bis heute nicht und das bei einem Investitionsvolumen von über 200 Millionen Euro. Als Vermutung dafür verbleibt nur der Umstand, dass es hier ja nur um das Geld der Steuerzahler geht, welche in jedem Fall, mit und ohne Wind, die Zeche zahlen werden. Landesumweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90 / Die Grünen) hat dann auch einen anderen Lösungsvorschlag zur Verwurzelung der Energiewende in den Köpfen der Bürger und zur Akzeptanzverbesserung in der Bevölkerung. Die Bürger sollen in sogenannten Bürgerenergiegenossenschaften die Möglichkeit erhalten, sich an den Anlagen als Kapitalanleger zu beteiligen.

Tatsache ist nur, dass selbst ein Interessenvertreter der Hersteller, der offensichtlich in diesem Zusammenhang völlig unverdächtige Bundesverband Windenergie (BWE) zugeben musste, dass „nur ein Drittel der Windenergieprojekte den Anlegern wirklich Freude macht“, sprich Geld verdient. Zwei Drittel aller Projekte liefen für die Investoren eher schlecht bis ganz schlecht. Da die Anzahl der Windvolllaststunden im Jahr nun zum Beispiel in Niedersachsen mehr als doppelt so hoch ist wie in Baden Württemberg, mag der an einer Kapitalanlage in Windenergie interessierte Leser sich selber überlegen, wo die wirtschaftlichen Windenergieprojekte betrieben werden. Wir empfehlen Ihnen jedenfalls keine Kapitalanlage in eine Bürgerenergiegenossenschaft “Windpark im Harthäuser Wald“. Schießen Sie Ihr Geld besser gleich in den Wind. Das geht zwar schneller, wird Ihnen aber sicher mehr Freude machen.

Fassen wir also zusammen: in dem wegen seiner Vielzahl an streng geschützten Großvögel bekannten und gesetzlich als besonders schützenswert ausgewiesenem Harthäuser Wald, der nicht für seine Windhöffigkeit bekannt ist, sollen bis zu 25 Großwindkraftanlagen ohne Prüfung der Wirtschaftlichkeit errichtet werden.

Das muss man allerdings einen Schildbürgerstreich durch unsere rot-grüne Landesregierung nennen, wie ihn sich Till Eulenspiegel sicherlich nicht hätte ausdenken können. Solche Ideen können dann auch nicht von einem Schalk entwickelt werden, sondern nur von verblendeten grün-roten Ideologen. Ein Schalk ist bekanntlich ein Mensch, welcher gerne mit anderen auf deren Kosten seinen Spaß treibt. Ideologen dagegen verschwenden erst gar keinen Gedanken an die Kosten. Schöne teure Energiewende – arme Natur.

Die hier beschriebene offensichtliche Volksverdummung ist leider symptomatisch für die rot-grüne Energiewende. Ein weiteres schönes Beispiel liefert uns gerade Herr Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seiner jüngsten Klimainitiative. Dass seine Beamten und hoffentlich auch er persönlich, zukünftig durch vermehrtes Fahrradfahren das Weltklima retten wollen, das könnte noch als die Idee eines Spaßvogels durchgehen, wenn auch eines Bundesministers unwürdig. Dass die Bundesregierung unsere Häuser unterschiedslos und entgegen aller Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen in dickes Styropor packen will, ja das ist allerdings Volksverdämmung und ein anderes Thema, welches wir gelegentlich ausführen werden.

Mut zur Wahrheit
Ihr

Dr. Rainer Podeswa
Sprecher des Kreisverband Heilbronn
der Alternative für Deutschland